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Feuerwehrübung schon Tradition

Feuerwehrübung schon Tradition

Jedes Jahr an Gründonnerstag probt die Zülpicher Wehr den Ernstfall bei der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich – Neue Brandschutztechnik eingebaut, um Fehlalarmzahl zu senken

Zülpich-Bürvenich – Zu Ostern gehören im Heilpädagogischen Zentrum der Lebenshilfe in Bürvenich nicht nur Ostereier, der Osterhase sowie Leiden, Sterben und Auferstehung von Jesus Christus. Seit Jahrzehnten kommt – früher am Karfreitagmorgen, mittlerweile am Gründonnerstagabend – die Feuerwehr zu Besuch.

Diese jährliche Alarmübung der Zülpicher Wehr, genauer gesagt des Löschzugs 2 sowie der Löschgruppen Juntersdorf und – aus der Mechernicher Nachbarschaft – Floisdorf ist auch nicht übertrieben. Das Gelände in Bürvenich ist rund 60.000 Quadratmeter groß und jedes Feuerwehrmitglied sollte sich dort im Ernstfall bestens auskennen.

Diesmal hatte der Probeeinsatz auch noch technische Hintergründe. Im Gegensatz zum vorigen Jahr hat die Lebenshilfe HPZ beim Brandschutz einige Änderungen vorgenommen. Diese waren nötig geworden, weil es verhältnismäßig viele Fehlalarme gab. Zum Verständnis: In der gesamten Einrichtung sind Brandmelder eingebaut. Wurden die ausgelöst, ging augenblicklich eine Meldung an die Rettungsleitstelle im Euskirchener Kreishaus, die dann ein Großaufgebot an Feuerwehr und Rettungskräften auf den Bürvenicher Berg entsendete. Ab einer bestimmten Summe sind die Fehleinsätze aber regresspflichtig, egal ob sie fahrlässig durch eine dampfende Kaffeemaschine oder den exzessiven Einsatz von Deo-Spray ausgelöst wurden oder mutwillig durchs Pressen eines Handdruckmelders.


Das Förderzentrum war innerhalb weniger Minuten evakuiert. Während des Übungseinsatzes durften die Bewohner, die sich teils mit Decken wärmten, natürlich wieder ins Gebäude zurück. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress


Ein Bewohner der Lebenshilfe HPZ half der Feuerwehr bei der Überprüfung der Schläuche. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Voralarm statt Fehlalarm

Deshalb hat die Lebenshilfe das Unternehmen Siemens beauftragt, einen sogenannten Voralarm einzubauen. Das bedeutet, dass zunächst der Alarm auf die Einrichtung beschränkt ist. Die Sirene auf dem Dach geht los, im Innern der Häuser weist eine aufgenommene Stimme darauf hin, zügig das Gebäude zu verlassen. Auf den Displays der Haustelefone finden die Mitarbeiter eine Kombination aus Ziffern und Buchstaben, die den genauen Ort des Brandmelders angibt, der ausgelöst hat. Das prüfen die Mitarbeiter entsprechend. Nur bei einem tatsächlichen Feuer wird dann auch die Rettungsleitstelle informiert.


Wolfgang Bleilevens (l.) von der Firma Siemens erklärte der Feuerwehr die Neuerung bei der Brandmeldetechnik. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

 

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert, damit die Sicherheit für unsere Bewohner und Angestellten gewährleistet ist“, sagt Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ. „Wir haben hier eine hohe Sicherheitsqualität, der Brandschutz befindet sich auf dem höchsten Niveau.“ Dennoch weiß Emmerich: Die wichtigste Versicherung für die Einrichtung ist die Freiwillige Feuerwehr, deren Mitglieder unentgeltlich ihr Leben für andere riskieren.

Für die Übung hatte sich Christoph Hansen, Leiter des Löschzugs II der Stadt Zülpich, folgendes Szenario ausgedacht: Ein Handdruckmelder im Förderzentrum wurde ausgelöst. Gegen 19 Uhr am Gründonnerstag ging die Sirene auf dem Dach los. Ein Mitarbeiter meldete, dass es sich um einen tatsächlichen Brand handelte.

Während die Rettungsleitstelle die erwähnten Feuerwehren informierte (aus Übungsgründen wurde auf die Drehleiter, den Einsatzleitwagen, drei Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeuge verzichtet, die im Ernstfall ebenfalls ausrücken), leiteten die Mitarbeiter im Förderzentrum sofort die Evakuierung des Gebäudes ein. Innerhalb kürzester Zeit schritten die Bewohner im Gänsemarsch Richtung Sammelstelle auf dem Sportplatz. Parallel ertönte in Bürvenich die Sirene, wenige Minuten später waren die ersten Feuerwehrkräfte am Ort. Auch Zülpichs Feuerwehrchef Jörg Körtgen, der in Bürvenich wohnt, schaute sich den Übungseinsatz an.

Imposanter Felsenkeller

 


Geschichtsstunde: Lebenshilfe-Geschäftsführer Rolf Emmerich (mit Mappe) erzählt während des Einsatzes von der Historie des Felsenkellers. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

 

 

Schnell waren die insgesamt zwei Kilometer langen Schlauchleitungen ins Gebäude gelegt, andere Kameraden machten sich bereit für einen Außenangriff. Zugführer Christoph Hansen war auf jeden Fall zufrieden mit der Leistung der gut 40 Kameraden, gibt aber auch zu: „Ein Einsatz läuft anders ab.“
 


Abdelkader Keroumi vom Unternehmen Steinhauer aus Würselen ist für die Pumpentechnik im Felsenkeller verantwortlich. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Zum Ende des Einsatzes erklärte Wolfgang Bleilevens, Service-Techniker von Siemens in Aachen, den Feuerwehrleuten noch die neue Brandmeldeanlage. Abdelkader Keroumi, Mitarbeiter der Steinhauer Elektromaschinen und Service GmbH aus Würselen, empfing mit Verwaltungsmitarbeiterin Sabine Harff die Floriansjünger im imposanten Felsenkeller, in dem einst der Brauereibesitzer, dem das Gelände im 19. Jahrhundert gehörte, Bierfässer gelagert hatte. Dort hat die Lebenshilfe vor 19 Jahren eine Staumauer inklusive Pumpenanlage eingezogen und ein Wasserbassin für Feuerwehreinsätze angelegt. Keroumi erläuterte den Interessierten, wie diese Anlage funktioniert. Ein weiteres Wasserbecken befindet sich übrigens auf dem Außengelände der Einrichtung.

Doch nicht nur die Feuerwehr muss bei diesem Probeeinsatz üben. Auch für die Bewohner ist der jährliche Einsatz eminent wichtig, damit sie eine Routine bei der Evakuierung bekommen und sie nicht starr vor Angst einfach stehen bleiben. Unter anderem wurde deshalb der Alarm im Innern des Gebäudes gegen die schon erwähnte Ansage ausgetauscht. „Die Innensirene hat die Bewohner verängstigt“, weiß Einrichtungsleiterin Sarah Voiß.
 


Zur Stärkung nach dem Einsatz reichte Küchenchef Markus Lippik wie jedes Jahr Erbsensupper. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

 

Eine weitere Tradition gibt es jedes Jahr am Ende eines Einsatzes: Dann kommen die Feuerwehrleute im Mehrzweckraum zur Manöverkritik mit den Verantwortlichen der Lebenshilfe HPZ zusammen – und zwar bei Erbsensuppe mit Wursteinlage, für die Küchenleiter Markus Lippik verantwortlich zeichnete.

pp/Agentur ProfiPress