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Die Kunst als Sprache der Inklusion

Kunst ist:
... Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen
... Menschen mit Behinderung kreativ zu fördern und somit die Welt der Menschen mit Behinderung zu verstehen
...  das eigene Universum als grenzenlos zu sehen
.... unsichtbare Gedanken sichtbar zu machen
...  gemeinsam zu träumen und zu leben.

Gemeinsam mit dem weltweit bekannten und tätigen bildenden Künstler Rolf A. Kluenter wurden in der Zeit von 2012 bis jetzt verschiedene Kunstprojekte in Zusammenarbeit mit renomierten Schauspielern und Künstlern verwirklicht – angefangen mit dem kleine Kosmos Felsenkeller zur Landesgartenschau Zülpich 2014, über Expressionismus 2.0 im Jahre 2015 bis hin zum "Puls, Stadt da pocht ein Herz" im Jahr 2017 sowie fortführende Kunstprojekte von Rolf A Kluenter.

Bei der Enthüllung des Raumflüsteres in Euskirchen im Jahr 2019 erhielten wir von Rolf A. Kluenter ein "Dürer A", aus massivem Granit, welches dann bei der Grundsteinlegung zum neuen HPZ Beratungszentrums in Zülpich verbaut wird. Damit ist auch der Grundstein für die weitere künstlerische Zusammenarbeit mit Rolf A. Kluenter gelegt.

Kunst selbst gestalten, bedeutet staunen, agieren, reagieren, kommunizieren und Spaß haben. Mit Werken, Worten und Taten Teil der Gesellschaft werden.
Wir haben uns zum Ziel gesetzt, durch regelmäßige Kunstworkshops Raum für kreative Selbstdarstellung zu schaffen und allen Außenstehenden Einblicke in den einzigartigen Kosmos der Menschen mit Behinderung zu ermöglichen.

Bei den Kunstaktionen lernen Menschen mit geistiger Behinderung bzw. Autismus-Spektrum-Störungen sich durch Kunst auszudrücken. Sie sind gleichzeitig Regisseure, Akteure, Zuschauer und können auf Facebook und auf der Online-Plattform ihre Erfahrungen mit der Außenwelt teilen.

 

Künstler

Nähere Informationen zu den Künstlern erhalten Sie durch Anklicken der Themenboxen.

Rolf A. Kluenter

Rolf A. Kluenter wurde 1956 in Zülpich-Bürvenich geboren. Seine Ateliers befinden sich in Shanghai, Kathmandu und der Vor-Eifel. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf erhielt Kluenter 1980 ein Stipendium und ging nach Nepal.

Nach seinen intensiven, einjährigen Feldstudien vor Ort, lehrte er viele Jahre am Campus of Fine Arts der Tribhuvan University in Kathmandu.

1998 führte ihn die chinesische Einladung zu seiner ersten großen musealen Einzelaustellung im Liu Hai Su Museum nach Shanghai, wo er bis heute arbeitet und lebt.

Zurzeit lehrt er an der Shanghai Theatre Academy Schools of Creative Studies.

Kluenters künstlerische Praxis umfasst Malereien auf nepalesischem Büttenpapier und Objekte, die aus diesem Papier gemacht werden, sowie Leinwandmalerei und Fotografie. Er erweitert seine Arbeit mit einer Reihe von Installationen, die er mit Objekten, Performance und Film kombiniert. Kluenters Filme integrieren verschiedene künstlerische Disziplinen. Sie kommentieren die Medien Film, Performance, Fotografie, Musik, Theater, Malerei und Skulptur. Er verflechtet sie zu einer poetisch-visuellen Sprache in audio-visuellen „Bewegten Bildern“. Seine Werke und Filme werden international in Galerien und Museum gezeigt. Kluenters Kunstintsallationen und Filme wurden auf der 6. Holland Papier Biennale (2006), der 6. Shanghai Biennale (2006), der 54. Venedig Biennale (2011), und der 9. Shanghai Biennale (2012) gezeigt. Sein 2012 von ihm produzierter 9-Kanal-Film SHANGHAI SOULMATES wurde 2013 auf dem internationalen Summer Festival der City University of Hong Kong im RUN RUN SHAW CREATIVE MEDIA CENTRE uraufgeführt und war ein Beitrag der ersten ART Basel Hong Kong. Das Roemerthermen Museum der Badekultur Zuelpich widmete ihm vom 24. Oktober 2014 bis 22. Februar 2015 eine Einzelausstellung mit dem Titel “Blue Moon Over Wet Monsoon”.

Leland Lee

Zülpich-Bürvenich/Taipeh - Als Leland 18 Monate alt war, bemerkten seine Eltern eine drastische Veränderung in seinem Verhalten. Er verwandelte sich von einem aufgeschlossenen Jungen in ein weinerliches, schreiendes Kleinkind, das ohne ersichtlichen Grund in Wutausbrüche geriet. Am beunruhigendsten war jedoch die Tatsache, dass Leland aufgehört hatte, zu kommunizieren, dass er nicht mehr antwortete und sich immer weiter in sich zurückzog. Aufgrund dieser alarmierenden Entwicklung suchten seine Eltern die Hilfe von Experten. Nach zahlreichen Diagnosen und Tests in verschiedenen medizinischen Institutionen, kam die Bestätigung und Lelands lebenslanger Kampf mit dem Autismus begann.

Wie sehr die Kunst eine Brücke sein kann in eine Welt, in die wir nur wenig Zugang haben, dass zeigten 2014 zwei Kunstaktionen eben jenes bemerkenswerten jungen Mannes Leland Lee, der damals 25 Jahre alt war und der gemeinsam mit seiner Familie auf Einladung des Bürvenicher Künstlers Rolf A. Kluenter und Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ, zu Besuch in der Eifelregion war.

„Lelands Talent für die Malerei offenbarte sich schon im Alter von sechs Jahren“, erzählte sein eineinhalb Jahre älterer Bruder Jason. Und eigentlich war er selbst es gewesen, der damals Kurse in einer Kunstschule besuchte. Als Leland und seine Mutter ihn an einem Tag früher abholten, überbrückte Leland die Wartezeit mit Zeichnen. „Als ich seine Bilder sah, habe ich nur gedacht: ´Wieviel besser ist dein Bruder doch als du´ und ich überließ ihm meine Unterrichtsstunden“, so Jason bescheiden, der heute als Pastor seine Arbeit sehr intensiv auch anderen autistischen Kindern widmet.

Unzählige Nächte, in denen die beiden mit Fingerfarben gemeinsam heimlich die Zimmerwände bemalten, folgten, erinnerte sich Mutter Karen Chien Lee lachend. Mehr als 1000 Bilder hat Leland seitdem gemalt. 1999 nahm ihn die Tageszeitung Los Angeles Times in ihre Gruppe der 100 bemerkenswertesten Nachwuchstalente auf, im vergangenen Jahr wurde er zum „Künstler des Jahres“ in Taiwan gewählt, und das öffentliche Fernsehen zeigt jetzt ein Jahr lang jede Stunde eines seiner Werke in einem Videoclip.

Er habe mit Leland bereits auf der 54. Biennale in Venedig, in Rotterdam und im Nationalmuseum in Taiwan ausgestellt, erzählte Kluenter in einem Interview. Lelands Eltern führten das bekannte Astoria-Café in Taipeh, das schon seit 65 Jahren existiere. Ähnlich wie in den großen Wiener Cafés um die Wende des 19. Jahrhunderts sei dieser Ort ein beliebter Treffpunkt für viele intellektuelle Exil-Chinesen.

In der Lichtbox-Installation, die in der künstlerischen Interaktion zwischen Leland Lee und Kluenter entstanden ist und im Beratungscenter der Kreissparkasse Euskirchen in Zülpich zu sehen war, zeigen Lelands Bilder eine farbensprühende Welt voller Optimismus und Lebensbejahung. Es sind „Happy Colors“, wie Lelands Mutter den Malstil ihres Sohnes beschreibt. Seine Bilder erinnern an die Werke der amerikanischen Pop- Art-Künstler James Rizzi, Keith Haring und des deutschen Malers Otmar Alt. Zur Unverwechselbarkeit von Lelands Handschrift gehören die Puzzle-Struktur seiner Bilder und Konturen schaffende schwarze Linien.

Lelands Lieblingsfarben sind strahlende Rot-, Blau-, Grün- und Gelbtöne. Dieses Prinzip von schwarzer Kontur und monochromer Kleinfläche  steht in einer langen Tradition, die bis zum brasilianischen Maler Romero Britto reicht. Lelands Malerei ist ferner von anderen bedeutenden Malern inspiriert. So wird es in Zülpich auch bunt um Edvard Munchs´ berühmtes Gemälde „Der Schrei“. 
Der Schrei: Lelands Kunst ist von bedeutenden Malern inspiriert. So wird es in Zülpich auch bunt um Edvard Munchs´ berühmtes Gemälde „Der Schrei“. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPresspp/Agentur ProfiPress 

Kluenter baut die Brücke zum Autismus mit einem bestechenden Kunstgriff, der normalerweise nicht Teil von Lelands Welt wäre. Er projiziert ihn mit leuchtenden Fotografien in seine eigenen Bilder hinein. Denn wenn Menschen mit dem Asperger-Syndrom, einer Autismusform,  Bilder malen, geht es fast immer um Einsamkeit: Oft skizzieren sie sich selbst an einem Ort, von dem aus sie die komplizierte Welt in Ruhe beobachten können - in einem U-Boot auf dem Grunde des Meeres oder winzig klein auf einem hohen Berg. Mit dieser Installation setzen die beiden Künstler ein gemeinsames Zeichen für den Autismus. Ein Zeichen, das international ist und mit dem der Fachaustausch zwischen der Bürvenicher Lebenshilfe HPZ und den Fachbereichen Autismus der beiden Universitäten Kalifornien und Taipeh gefördert wird. „Vielleicht wird es demnächst sogar ein Symposion zum Thema Autismus in Bürvenich geben“, hofft HPZ-Geschäftsführer Emmerich. 

In seiner Laudatio, erzählte Dr. Peter Kramp, wie es zu der Förderung als Anschubfinanzierung kam. Die Papierfabrik Smurfit-Kappa Zülpich engagiert sich sehr in Zülpich und Umgebung. „Sie tut viel für den Nachwuchs“, erklärte Geschäftsführer Dr. Kramp „Jetzt fördert die Smurfit-Kappa-Foundation auch Menschen mit Behinderung in Form einer Anschubfinanzierung des „Trans-Media-Empowerment-Programm“ bei der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich.

Wer zwei Tage nach der Ausstellungseröffnung die Zülpicher Landesgartenschau 2014 besuchte, dem wurde noch einmal ein ganz besonders bewegender Moment zuteil. Leland verwandelte dort im Rahmen des Projekts „Kleiner Kosmos Felsenkeller“ fünf  Millionen alte Steine aus der Eiszeit in ein zeitgenössisches Kunstwerk. Lelands Kunst ist tief im Glauben verwurzelt und während mit flott-farbenfrohem Pinselstrich ein taiwanesisches Haus, ein Pferd, ein Vogel, ein Hirsch und ein Herz entstanden, sang der junge Mann, von dem die Ärzte einst gesagt hatten, er werde niemals sprechen lernen, Gebetslieder in drei Sprachen. Als sein Werk vollendet war, dankte Leland Gott mit dem Lied „Amazing Grace“. 

Während er die Millionen Jahre alten Steine bei der Landesgartenschau Zülpich 2014 bemalte, sang der junge taiwanesische Künstler, von dem die Ärzte einst angenommen hatten, er werde niemals sprechen können, Gebetslieder in drei Sprachen. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Projekte

Nähere Informationen zu den nebenstehenden Projekten erhalten Sie durch Anklicken der Themenboxen.

Kleiner Kosmos Felsenkeller

Das Kunstprojekt zur Landesgartenschau Zülpich 2014

Der FELSENKELLER
FelsenkellerAuf dem Gelände der Lebenshilfe HPZ Bürvenich befindet sich der vormalige sogenannte "Felsenkeller" mit drei großen Höhlen in den Ausläufern der Kalkeifel. Diese wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in das Gebirge oberhalb des Ortes gesprengt, um als Eiskeller zur Kühlung des Bieres einer ortsansässigen Brauerei zu dienen.
Der sogenannte "Felsenkeller" ist ein inzwischen verwunschenes Relikt des Industriezeitalters und wird 2013 und 2014 zum Dreh- und Angelpunkt des weitgespannten und Ortsspezifischen Kunstprojekts von Rolf A. Kluenter in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe HPZ unter dem Oberthema "Kleiner Kosmos Felsenkeller".

Das KUNSTPROJEKT
"Kleiner Kosmos Felsenkeller" ist ein gemeinnütziges Kunstprojekt mit und für Menschen mit Behinderung sowie der Ortsgemeinschaft Bürvenich/Eppenich.

Der ZENTRALE FOKUS
In kreativ-Workshops der Lebenshilfe HPZ unter dem Obertitel SURVIVAL wurden die Menschen mit Behinderung an die klassischen Medien der Bildenden Kunst sowie an die Neuen Medien Fotografie und Video unter fachlicher und künstlerischer Leitung herangeführt.

WEITE AUSSICHT
Der geologische Wanderweg Bürvenich – eine Film- und Fotografie-Dokumentation von Rolf A. Kluenter.

FELSENKELLER STAGE – Haushalte, soziale Gruppen und individuelle Narrativen
Der in Shanghai und Bürvenich lebende Künstler und Filmemacher Rolf A. Kluenter inszenierte und portraitierte die sozialen Gruppen und die Vereine der Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich sowie die Mitarbeiter und Bewohner der Lebenshilfe HPZ im Felsenkeller, dem vormaligen Eiskeller der Nagelschmid Brauerei und dem Schutzraum während der Kriegszeit.

IN FULL VIEW – ein poetisch-dramatischer Kunst-Film
Mit einer Besetzung von sechs internationalen SchauspielerInnen realisierte Kluenter ausserdem vor Ort seinen neuen Film IN FULL VIEW, der die Geschichte von 6 Protagonisten erzählt, deren Wege sich im Bürvenicher Felsenkeller kreutzen. Christina, Tom, Simon, Mimi, Puiyee und Joey – die sechs ehemaligen Bewohner des vormaligen Kinderheims für Waisen in Bürvenich kehren nach vielen Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück und kämpfen mit ihren Erinnerungen.
Der Film IN FULL VIEW zeichnet Fragmente der Erinnerung, Vision und Utopie, die im Bewusstsein der Protagonisten an diesem geheimnisvollen und metaphorischen Ort „Felsenkeller“ (wieder-)erwachen.
Drehbuch und Regie Rolf A. Kluenter. Eine BodhiBonzai Produktion, Hong Kong, Shanghai, The Eifel.

DIGITALES GEDAECHTNIS
Die sich seit dem frühen 20. Jahrhundert entwickelnden Fotografie- und Film-Archive aus Bürvenich und Eppenich wurden digitalisiert und aufgearbeitet.

SOUND ATLAS
ORT+LAUT, Sound-Lounge, Baiern in Bürvenich, die Bergpredigt und andere Ton-Events am Grottenvorplatz auf dem Gelände der Lebenshilfe HPZ, Bürvenich.

SURVIVAL, der Pavillon
Der autistische Künstler Leland Lee, Taipei, Taiwan gestaltete die Fassaden des KKFK-Pavillon auf der NRW LAGA in Zülpich 2014.

EDITIONEN
Limitierte Künstler-, Poster- und Postkarten-Editionen wurden während der LAGA Zülpich 2014 angeboten. Wertvolle KKFK-Editionen wurden exklusiv herausgegeben:

A. Kunsteditionen mit direktem Bezug zu KKFK:
(1) SURVIVAL - Edition der kreativ Workshops
(2) Leland Lee Edition
(3) Kluenter Edition

B. Kunsteditionen mit assoziativem Bezug zu KKFK:
(1) Hendrina Krawinkel - der röhrende Hirsch.
(2) Susanne Wichmann - Lippenbekenntnisse.
(3) Gisela Zimmermann Thiel - PASSAGE. Bangui + zurück.
Im Verlauf der Produktionsarbeit werden Dokumentarfilme der Projektkomponenten realisiert werden.

Die Resultate der Fotografie- und Film-Produktionen wurden 2014 im Felsenkeller in Form einer attraktiven Gesamtinstallation sowie im Pavillon der Lebenshilfe HPZ SURVIVAL auf der LAGA Zülpich 2014 ausgestellt.

Berlin, Euskirchen, New York, Shanghai

Der in Bürvenich aufgewachsene und vor allem in Katmandu und China wirkende und lehrende Künstler Rolf A. Kluenter (61) stellt im Stadtmuseum Euskirchen bis Ende Januar 2018 ein tief beeindruckendes Film-Projekt mit behinderten und prominenten Darstellern aus: „PULS – Stadt, da pocht ein Herz“ – Bei der Vernissage am Freitag platzten Museum und Stadtbibliothek aus allen Nähten -

Euskirchen – Zwei Jahre und 200 Drehtage sind vergangen, nochmal so viele am Schneidecomputer, an Tonwiedergabegeräten und Rekordern. Der Filmaktionskünstler Rolf A. Kluenter hat mit Museumskuratorin Dr. Heike Lützenkirchen diskutiert und umgesetzt, mit seinem Auftraggeber und Freund Rolf K. Emmerich vom Heilpädagogischen Zentrum „Haus Lebenshilfe“ in Bürvenich gerungen und er hat in diesen zwei Jahren zahlreiche prominente und weniger prominente Zeitgenossen aus Euskirchen, Zülpich und Umgebung vor die Kamera gebracht, darunter zahlreiche autistisch, geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen. Bei der Vernissage seiner Foto-, Ton- und Filminstallation „PULS – Stadt, da pocht ein Herz“ fasste der in Shanghai und Bürvenich lebende und wirkende Beuys-Schüler seine nach dem Laga-Projekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“ zweite große Dreherfahrung mit behinderten Schützlingen des HPZ „Lebenshilfe“ zusammen: „Ich wollte sie zu Schauspielern machen und sie haben mich zum wahren Künstler gemacht!“

Vier Hauptakteure für das Zustandekommen des einmaligen Film- und Fotokunstprojektes „PULS – Stadt, da pocht ein Herz“ waren (v.r.) die Kuratorin Dr. Heike Lützenkirchen, Euskirchens Bürgermeister Dr. Uwe Friedl, der Künstler Rolf A. Kluenter und der Schauspieler Andreas Albrecht. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Kunst fällt nicht vom Himmel“

„Es war eine Arbeit auf Augenhöhe“, berichtete der Meisterschüler von Professor Erich Reusch zuerst in einer Exklusivführung für Pressevertreter und dann vor geschätzten mindestens 200 Ausstellungseröffnungsgästen, die das Auditorium des gemeinsamen Lesungssaales von Stadtbibliothek und Stadtmuseum Euskirchen sprengten. Und er meinte nicht nur die Arbeit mit den PULSSchauspielern aus der Euskirchener Autismus-Ambulanz des HPZ „Lebenshilfe“ an der Vogelrute: „Kunst fällt nicht vom Himmel!“ Neben den Hauptdarstellern Jennifer Adams, Stefan Ahlbach, Danny Lawrenz, Nicole Parsch, Michael Perpeet, Marcel Schlömer und Hans-Peter Zingsheim holte er auch den professionellen Mimen Andreas Albrecht vor die Kamera. Außerdem Personen der regionalen Zeitgeschichte, allen voran Euskirchens Bürgermeister Dr. Uwe Friedl, Landrat Günter Rosenke, HPZ-Geschäftsführer Rolf K. Emmerich, Oliver Knuth (EUGEBAU) und HPZ-Aufsichtsrat Joseph C. Rhiem sowie Künstler wie den Rockmusiker und Liedermacher Günter Hochgürtel. Kluenter drehte mit den genannten und noch einer Menge mehr Akteuren im und um den Euskirchener Bahnhof das Bild einer pulsierenden Stadt, die über ihre Verkehrswege mit der ganzen Welt verbunden ist. Die Züge, die dort eintreffen und abfahren, sind wie das Leben. Mal sitzt man drin, manchmal rauscht alles an einem vorbei.

Rolf K. Emmerichs Heilpädagogisches Zentrum „Haus Lebenshilfe“ mit Hauptsitz in Bürvenich und zahlreichen Dependancen kreisweit, unter anderem der Autismus-Ambulanz im „Quartier Süd“ der Euskirchener EUGeBau an der Vogelrute, verfügt bereits über Jahrzehnte Erfahrung mit Kunstprojekten unter aktiver kreativer Mitwirkung Behinderter: „Das ist Inklusion, über die wir nicht groß reden, bei uns eine Selbstverständlichkeit“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Dokumentarstreifen poetisch verbunden“
Angelegt als Dokumentarfilm, so Dr. Heike Lützenkirchen, werde die Videoinstallation in ihrem Verlauf zu einer Mischung aus Schauspiel und Poesie. Sie hat Handlung – sogar einen integrierten Krimi um eine verschwundene Tasche, eine angedeutete Liebesgeschichte, philosophische Anwandlungen über die Zeit. „Das ist ein Gesamtkunstwerk“, schwärmt Kluenter, „das ist Oper, das ist Wagner!“ Euskirchens Bürgermeister Dr. Uwe Friedl eröffnete die Ausstellung nach eigener Ansprache, einer Einführung der Kuratorin Heike Lützenkirchen und Grußworten der „Lebenshilfe“-Verantwortlichen Rolf K. Emmerich und Joseph C. Rhiem sowie einem sehr bewegenden Schlussstatement des Künstlers selbst, in dem er Joseph C. Rhiem, der „Lebenshilfe“ und seinem Lehrer Joseph Beuys dankte, dessen Ideal von der „Sozialen Skulptur“ mit dem Euskirchener PULS-Projekt sehr hoch gehalten werde.


Ursprünglich hatte er „sein“ Werk, also die Gemeinschaftsarbeit mit „seinen“ Stars, am Tag der Ausstellungseröffnung der Film- und Fotoinstallation „PULS – Stadt, da pocht ein Herz“ für beendet erklären wollen. Immerhin war er für die Dreharbeiten allein siebenmal aus China
angereist, auch ein Kostenfaktor. Doch jetzt verkündete Rolf A. Kluenter: „Ich mache weiter!“ Und später: „Das Werk wird sich weiterentwickeln,
vermutlich wird es in dem Sinne niemals »fertig«“ Euskirchens Bürgermeister Dr. Uwe Friedl („Wenn Inklusion und Integration dauerhaft gelingen sollen, sind gleiche Chancen und gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft sowie Toleranz, Akzeptanz und Respekt unverzichtbare Voraussetzungen“) nahm die Ausstellung einschließlich aller Monitore und Videoleinwände, Bildtafeln und Darstellungsmittel als Geschenk Kluenters an die Stadt Euskirchen entgegen.


„Sensationelle Schauspieler“
Kluenters Kunstfilm erzählte eine an Metaphern reiche Geschichte um sich kreuzende Verkehrs- und Lebenswege, die sich sehr
unterscheidende Mobilität auf hoher See und auf Schienen und Platons Höhlengleichnis. Die Pfade Einheimischer und Gästen der Stadt kreuzen sich entlang der Blindenwege, und sie geraten in Situationen, in denen sie sich gegenseitig helfen.
Durch diese gleichwertige Hilfe kommt es zu einem Perspektivwechsel - die Trennung zwischen den Behinderten und Nichtbehinderten löst sich
auf und jeder einzelne wird als individuelle Person wahrgenommen. Der Bahnhof bildet dabei nicht nur die Kulisse, sondern den zentralen Ort der Begegnungen. Ein Getriebener, mit dem die Bewohner in Kontakt kommen, wird vom Düsseldorfer Autor und Schauspieler Andreas Albrecht gespielt. Auch er berichtete der Presse Positives von der Zusammenarbeit mit den „Lebenshilfe“-Schützlingen: „Das sind sensationelle Schauspieler!“

Die Sonderausstellung im Stadtmuseum (Wilhelmstraße 32 – 34, 53 879 Euskirchen, Tel.: (0 22 51) 650 74 34, museum@euskirchen.de; www.kulturhof.de/museum) ist bis 28. Januar 2018 geöffnet. Es sind mehrere Sonderveranstaltungen wie persönliche Führungen und Gespräche mit dem Künstler geplant – die erste am Sonntag, 15. Oktober, ab 14 Uhr. Eintritt ein und zwei Euro, Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 15 - 18 Uhr, Do 15 -
19 Uhr, Sa 11 - 15 Uhr, So 11 - 18 Uhr, Begleitprogramm unter www.kulturhof.de/museum, Katalog 10 Euro, mit freundlicher Unterstützung der „Lebenshilfe“ HPZ, EUGEBAU, e-regio, Parkhotel und Urfey Euronix.

pp/Agentur ProfiPress

 

 

Die Ausstellungseröffnung fand zunächst im gemeinsamen Lesungssaal von Stadtbibliothek und Stadtmuseum Euskirchen statt, der angesichts der Fülle von Gästen aus allen Nähten platzte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Lebenshilfe“-Aufsichtsratsvorsitzender Joseph C. Rhiem, hier rechts neben HPZ-Geschäftsführer Rolf K. Emmerich, war sehr gerührt, als der aus Bürvenich stammende Künstler Rolf A. Kluenter für die jahrzehntelange Freundschaft dankte und dafür, dass Zülpichs Alt- und Ehrenbürgermeister Rhiem stets seine Hand über ihn gehalten habe. „Auch wenn Deine Eltern Ihren einzigen Sohn lieber öfter mal bei sich zu Hause auf dem Bürvenicher Bauernhof gesehen hätten als in Nepal, China und Amerika“, so Rhiem. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress


 


Die Sonderausstellung im Stadtmuseum (Wilhelmstraße 32 – 34, 53 879
Euskirchen, Tel.: (0 22 51) 650 74 34, museum@euskirchen.de;
www.kulturhof.de/museum) ist bis 28. Januar 2018 geöffnet. Es sind
mehrere Sonderveranstaltungen wie persönliche Führungen und
Gespräche mit dem Künstler geplant – die erste am Sonntag, 15.
Oktober, ab 14 Uhr. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Sommerschauspiel-Workshop-2015

Sonntagstheater beim Sommerfest von Lebenshilfe HPZ und Kirmes der Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich – Schauspiel-Workshop für Bewohner der Lebenshilfe HPZ und Bürvenicher mit Natascha Paulick – Dokumentation von Künstler Rolf Kluenter soll Grundlage für schauspielerisch-künstlerische Therapie werden

Zülpich-Bürvenich – Es war ein besonderes Schauspiel, das sich den Besuchern des Sommerfestes der Lebenshilfe HPZ gemeinsam mit der Kirmes der Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich am Sonntag bot. Bewohner der Lebenshilfe HPZ und Interessierte der Dorfgemeinschaft standen mit ihrer Aufführung des Sonntagstheaters auf der Bühne. Geleitet wurde das Projekt von dem international erfolgreichen Künstler Rolf Kluenter und der Berliner Schauspielerin Natascha Paulick.

Wartende am Bahnhof: Den Schauspiel-Workshop mit Natascha Paulick schlossen die Dorfbewohner aus Bürvenich mit einer Inszenierung beim Sommerfest ab. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Bis auf einen Tisch und zwei Stühle war die Bühne im Festzelt leer, als die drei Schauspieler mit Handicap zum Spiel ansetzten. Mit pantomimischen Gesten wurde schnell klar: Es war der gedeckte Tisch eines Kaffeehauses. Ein Mann mit Koffer setzte sich und las in seiner Zeitung, eine Dame setzte sich dazu und rührte in ihrer Kaffeetasse. Ein Mann, offenbar ein Kellner, schwirrte um die beiden herum, die Handlung nahm ihren eigenen Verlauf: Die drei knisterten mit der Zeitung, neckten sich gegenseitig, liefen sich um den Tisch herum nach, lachten.

Die Tanzgruppe „Let’s Dance“ tanzte zu Culcha Candela: „Die Erde dreht sich von allein“. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Natascha Paulick erklärte: „Mit nur einer Woche war die Zeit für unsere Proben sehr begrenzt. Um eine Inszenierung auf die Beine stellen zu können, haben wir ohne Text und dafür rhythmisch gearbeitet.“ Die letzte Probe mit Instrumenten konnte aus Krankheitsgründen nicht mehr fortgeführt werden, aber „ich konnte die Bewohner nicht bremsen, also sind wir alle ins kalte Wasser gesprungen“, lachte Natascha Paulick.

Die „Troublemakers“ begeisterten mit Gesangseinlagen wie „Kölsche Jung“ und „An Tagen wie diesen“. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

So wurden Zeitung, Tassen und Löffel zu rhythmischen Requisiten und das Spiel nahm auf der Grundlage der Kaffeehausszene seinen eigenen Lauf. Natascha Paulick: „Die Akteure waren nicht einmal so aufgeregt wie ich – die waren einfach happy.“

Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ, mit der Berliner Schauspielerin Natascha Paulick, die eine Woche lang einen Schauspiel-Workshop für Menschen mit Handicap durchgeführt hatte. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Eine zweite Szene mit Wartenden am Bahnhof wurde von den Dorfbewohnern einstudiert und aufgeführt. Ganz unterschiedliche Charaktere saßen dort, die scheinbar auf ihren Zug warteten und dabei Zeitung lasen, ihrem Nachbarn auf die Pelle rückten, sich die Nase puderten, Halsbonbons verteilten oder Musik hörten.

Künstler Rolf Kluenter (links) im Gespräch mit Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ. Die beiden konnten bereits mehrere inklusive Projekte gemeinsam verwirklichen. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Das Sonntagstheater fand zum ersten Mal statt und war Teil des Projektes „Kleiner Kosmos Felsenkeller“, mit dem Rolf Kluenter schon seit zwei Jahren die Menschen in Bürvenich portraitiert. Kluenter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Schauspiel-Workshop von Natascha Paulick Eins zu Eins zu dokumentieren. Mit drei Kameras war er dazu während der Proben unterwegs. Sein Ziel: Das Ergebnis Experten vorlegen und auf Grundlage der Dokumentation eine schauspielerische und künstlerische Therapie zu beginnen.

Ohne Text, dafür mit rhythmischem Ausdruck: Die Bewohner der Lebenshilfe HPZ in ihrer Aufführung beim Sonntagstheater. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

„Wir durften hier eine Woche lang mit wunderbaren Menschen zusammenarbeiten“, erzählte Rolf Kluenter im Anschluss an die Aufführung. Dabei sei die Berliner Schauspielerin immer sensibel und auf Augenhöhe mit den Bewohnern geblieben, um ihre Kenntnisse umsetzen zu können. Beide würden das Schauspielprojekt, das sie mit einem ersten Workshop 2014 begonnen hatten, gerne weiter fortführen. „Ich würde gerne mit den Dorfbewohnern einen Krimi aufführen – und mit den Bewohnern der Lebenshilfe HPZ eine vertonte Inszenierung, die die Stärken und Talente der Akteure herausstellt“, so Natascha Paulick.

Das Sommerfest der Lebenshilfe HPZ im Rahmen der Kirmes der Ortsgemeinschaft Bürvenich-Eppenich fand bereits zum 42. Mal statt. „Für die Dorfbewohner, die Vereine und unsere Bewohner der Lebenshilfe ist es schon längst selbstverständlich, dass wir gemeinsam feiern“, sagte Rolf Emmerich, Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ. Patrick Müller, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft, konnte dem nur zustimmen: „So etwas kann es gar nicht in einem anderen Ort geben. Unsere Dorfkirmes ist zu einem Fest der Inklusion geworden.“ Insgesamt hatte man wieder ein tolles Programm auf die Beine gestellt. Den Auftakt machte am Samstagabend der Hahnenkönigsball mit Live-Musik für das Königspaar Rainer und Hilde Schiffers.

Am Sonntag unterhielt der Musikverein Berg-Bürvenich mit einem Platzkonzert, bevor die Bewohner der Lebenshilfe HPZ die Bühne eroberten. Das Trio der „Troublemakers“ begeisterte mit Gesangseinlagen wie „Kölsche Jung“ und „An Tagen wie diesen“. Begleitet wurden sie von der Tanzgruppe „Let’s Dance“, die vor Energie nur so sprühte. Tänzerisch zeigten außerdem die „BeWo Dancers“ ihr Können – bei einem Tanz mit sonnengelben Regenschirmen.

pp/Agentur ProfiPress

Presseberichte

Bürvenich auf Platz drei in New York

Vom Felsenkeller am „Haus Lebenshilfe“ in Bürvenich über die nationale Global-Award-Verleihung in Berlin schafft es das Inklusionsprojekt von Lebenshilfe HPZ, Künstler Rolf A. Kluenter und der Agentur Brand Health bis zu internationalen Meriten am Big Apple – Menschen mit Behinderung nutzten Kunst zur Selbstfindung und Inszenierung – Ausstellung der Kunstobjekte im Frühjahr in Euskirchen geplant


Zülpich-Bürvenich/New York - Jetzt haben sie auch Bronze in New York abgeräumt: Bei den Global Awards, einem weltweiten Wettbewerb für Gesundheits- und Wellnesswerbung, haben das heilpädagogische Zentrum „Haus Lebenshilfe“ (HPZ) mit Hauptsitz in Bürvenich mit Geschäftsführer Rolf Emmerich, der aus Bürvenich stammende Künstler Rolf A. Kluenter und die Frankfurter Agentur Brand Health es mit dem Inklusionsprojekt „Expressionismus 2.0“ auf den dritten Platz geschafft.


Bei der Verleihung im New Yorker „7 World Trade Center“ wurde das Inklusionsprojekt mit behinderten Bewohnern der Lebenshilfe HPZ nun mit einem Finalist Certificate ausgezeichnet. Zuvor hatte das Projekt bereits auf Bundesebene in der Sparte „Gesundheit“ den Sieg errungen und war in Berlin dekoriert worden.


Grundlage für die zum Wettbewerb eingereichte Arbeit „Expressionismus 2.0“ war das Projekt „Kleiner Kosmos Felsenkeller“, das der in Shanghai und Bürvenich lebende Künstler Rolf A. Kluenter im alten Felsenkeller auf dem Gelände der Lebenshilfe HPZ gemeinsam mit HPZ-Bewohnern und Bürvenicher Bürgern inszeniert hatte.

 

Am Anfang stand der „Kosmos“
im alten Brauerei-Eiskeller

Kluenters Ziel war es, im abgeschlossenen „Kosmos“ des früheren Eiskellers für Brauereilagerung, das Leben in Bürvenich mit den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen darzustellen und festzuhalten. Dazu gehörten neben Gruppen wie dem Schützen- oder dem Karnevalsverein natürlich auch die behinderten Schützlinge der Lebenshilfe HPZ.

Rolf Emmerich (Geschäftsführer der Lebenshilfe HPZ) und Rolf A. Kluenter haben mit dem Inklusionsprojekt schon den Comprix in Berlin gewonnen. Jetzt schafften sie es in New York auf den dritten Platz bei der Verleihung der Global Awards. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Kunst sollte in Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung umgesetzt werden – und die Gehandicapten sollten selbst zu Künstlern werden, die sich in Szene setzen, aber auch beispielsweise fotografieren und malen.


„Als wir sie im Felsenkeller inszenieren wollten, hatten sie gar keine Berührungsängste“, erinnert sich Rolf A. Kluenter anlässlich der New Yorker Nominierung. „Stattdessen wurden sie aktiv und haben sich selbst inszeniert.“ So konnten die Menschen zeigen, dass sie selbst am besten wissen, was gut für sie ist. Das Projekt hatte die „Kunst als Sprache der Inklusion“ sichtbar gemacht, so Kluenter: „Der Beweis ist erbracht – Kunst ist unbehindert“.


In diesem Sinne wurde das Inklusionsprojekt nun weiterentwickelt. Die Schützlinge der Lebenshilfe HPZ waren mit vollem Eifer dabei. Jeder Einzelne von ihnen wurde mit seinen Fähigkeiten, Wünschen und Bedürfnissen in den Blick genommen. In den Kunstworkshops wurde ihnen ermöglicht, in die Rolle von Akteuren, Regisseuren oder Malern schlüpfen, zu gestalten und sich auszudrücken. In sozialen konnten sie sich daraufhin untereinander oder mit der Außenwelt austauschen.


Ein Beispiel für die Aktion ist der Kurzfilm „Michaels Dream“ (zu sehen unter anderem im Facebook-Auftritt von „Expressionismus 2.0“). Dort wird Michael Perpeet zunächst in seinem Alltag bei der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich begleitet. Er zeigt den Filmemachern, wie er mit zwei Bällen jonglieren kann. In Zeitlupe können die Zuschauer seine Bewegungen verfolgen und die Konzentration in seinem Blick sehen. Die nächste Szene zeigt Jongleur Michael in einem bunten Clownskostüm auf der Bühne, wo er zum ersten Mal vor Publikum auftritt.

Ausstellungen im „Quartier City Süd“
und an anderen Kulturstätten geplant

„Expressionismus 2.0“ ist eine Aktionsgemeinschaft unter der Führung der Agentur Brand Health. Im Mai hatte die Kampagne für das Inklusionsprojekt bereits den Comprix-Gold-Award für innovative Kommunikation in Berlin gewonnen. Bei den Global Awards in New York folgte nun auch die internationale Anerkennung.

„Willkommen in meinem Universum“ ist der Leitspruch der Kampagne „Expressionismus 2.0“. Bewohner der Lebenshilfe HPZ in Bürvenich durften sich in diesem Workshop selbst inszenieren – und sind nun Teil des bei den Global Awards in New York ausgezeichneten Projektes. Foto: Expressionismus 2.0/pp/Agentur ProfiPress

„Expressionismus 2.0 – Klick, Klecks – Welt öffne dich“ lautet der Titel der Kampagne, mit der die Lebenshilfe HPZ zusammen mit Künstler Rolf A. Kluenter in der Aktionsgemeinschaft der Agentur Brand Health es auf den dritten Platz bei den Global Awards in New York schaffte. Foto: Expressionismus 2.0/pp/Agentur ProfiPress

 


Die Jury hatte in der Kategorie „Health Institutions & Services“ weltweit 152 Projekte aus 26 Ländern für die Vorauswahl ausgesucht. „Expressionismus 2.0“ schaffte es im Ergebnis hinter zwei amerikanischen Kampagnen auf den dritten Platz. Die Plätze drei bis sechs wurden mit einem Finalist Certificate ausgezeichnet. Die Global Awards küren jedes Jahr die weltbeste Gesundheits- und Wellnesswerbung, wobei es vor allem um die Kreativität der Kampagnen geht.


Die Kreativ-Workshops „Expressionismus 2.0“ wollen den Menschen, die zum Beispiel eine geistige Behinderung oder eine Autismus-Spektrumsstörung haben, zu mehr Selbstwertgefühl verhelfen. Das integrative Kunstprojekt im Felsenkeller wurde deshalb schon früh von regionalen Sponsoren unterstützt. Diese Anschubfinanzierung – vor allem durch die Smurfit-Kappa-Stiftung und die Kunststiftung der Kreissparkasse Euskirchen – hatte die Größenordnung und Dauer des Projektes erst möglich gemacht.

Der Kurzfilm „Michaels Dream“ ist Teil von „Expressionismus 2.0“ und zeigt eindrücklich den Weg zur Selbstverwirklichung. Repro: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Die Lebenshilfe HPZ und Künstler Rolf A. Kluenter wollen das künstlerische Inklusionsprojekt noch weiter voran treiben. Im kommenden Frühjahr soll in Euskirchen das „Quartier City Süd“ fertiggestellt werden, wo die Lebenshilfe HPZ neben acht Wohnungen für Menschen mit Behinderung auch eine Autismus-Ambulanz betreiben will.


Zur Eröffnung soll es eine Ausstellung der Kunstobjekte aus „Expressionismus 2.0“ geben. Neben dem „Quartier“ der Euskirchener gemeinnützigen Baugesellschaft (Eugebau) sollen noch weitere Ausstellungsstationen an kulturellen Stätten in der Kreisstadt eingerichtet werden.


Während die Ausstellung einen weiteren großen Schritt für das künstlerische Inklusionsprojekt darstellt, denken Lebenshilfe-Geschäftsführer Rolf Emmerich und Künstler Rolf A. Kluenter schon weiter. Ihr Ziel ist es, die Grundlage des Projektes zu einer anerkannten Therapie für Menschen mit Behinderung weiter zu entwickeln.


Dazu möchten sie beispielsweise einen Bauernhof zum „Kreativ-Hof“ für die Kunstworkshops umbauen. „Die Kunst liegt in jedem Menschen und kann ihm dabei helfen, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden“, so Rolf Emmerich.

pp/Agentur ProfiPress

Tatort-Star leitete Workshop

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